Predigt im Festgottesdienst 175 Jahre Sängergemeinschaft, 20 Jahre New Tones

Gnade sei mit euch und Frieden, von Gott, unserem Vater und unserem Herrn und Heiland, Jesus Christus. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,

Danke! Zunächst einmal an „die Anzahl junger Leute, die am vorgemerkten Datum im Jahr 1847 erschienen ist, mit dem Wunsch, den früher bestandenen Singverein wieder neu aufleben zu lassen.“ So stand es laut eurer sehr interessanten Chronik in der ersten Satzung. Danke auch jene die in diese erste Satzung den Satz geschrieben haben: „Der Zweck des Vereins ist Bildung und Veredlung des Gesanges überhaupt und insbesondere des Kirchengesangs“, neben „der Erhöhung der geselligen Freuden.“

Danke aber auch an euch junge Leute, die sich Ihr Euch im Jahr 2001 zusammengetan habt, um als „New Tones“ Lieder aus der ganzen Welt zu singen, unter dem für mich begeisternden Motto „von Abba bis Zappa“. Und tatsächlich gehörten bei eurem ersten Konzert im selben Jahr zu Eurem Programm schon so verschiedene Lieder wie „Heute hier, morgen dort“ von Hannes Wader, „One moment in time“, „Thank you fort the music“, „Air“ und „Über den Wolken“. Und im Jahr 2015 habt ihr eure Hörerinnen und Hörer mit „Voices of Africa“ begeistert.

Danke auch an alle, die den Chorgesang über all die Jahrzehnte angeleitet und gefördert haben. Vom Lehrer Gimpel bis zu Dir, Tobias. Danke an Dich, dass du deinen Sängerinnen und Sänger bis heute mit deinem musikalischen Können und deiner Begeisterung die Freude am gemeinsamen Singen vermittelst. Danke natürlich auch an Sie, Helga Urban und Ihren ganzen Vorstand für Ihren großen ehrenamtlichen Einsatz, ohne den ein solcher Verein nicht leben und nicht überleben könnte. Ohne dieses Engagement wäre ein solches Jubiläum wie das Heutige niemals möglich.

Danke natürlich auch und vor allem an all euch Sängerinnen und Sänger, die Ihr Euch regelmäßig Zeit nehmt um zusammen zu singen und zu musizieren. Danke dafür, dass ihr uns in unserem Dorf und weit über seine Grenzen hinaus spüren und erleben lasst, welch großen Wert die Musik hat, das miteinander Singen.

Denn im Grund wissen wir es doch alle: Musik hat heilende Kräfte. „Music is a healer“ lautet die Formulierung im Englischen. Denn Melodien können uns streicheln wie eine liebevolle Hand, sie können uns trösten, uns fröhlich machen, unser Herz leichter machen, unsere Seele weiten.

Die Musik erhebt unsere Herzen, wenn wir miteinander feiern, wie heute. Aber die Musik schenkt uns auch Trost und sie gibt uns Halt in den schweren Momenten unseres Lebens. Ein Lied kann uns guttun, weil es uns fröhlich macht und uns zum Tanzen bringt. Ein Lied kann uns aber auch sehr guttun, weil es uns zu Tränen rührt. Denn Hermann Hesse hat einmal gesagt: „Tränen sind schmelzendes Seeleneis“. So kann uns ein zu Herzen gehendes Lied helfen, innerlich wieder aufzutauen und uns neu auf das Leben einzulassen.

Denn Ja, Musik ist eine Heilerin. Und das wissen Menschen schon seit langer Zeit. Das wussten die Menschen im Jahr 1847 und im Jahr 2001. Und das wussten die Menschen schon vor vielen hundert Jahren. Ein bedeutendes Zeugnis dafür ist unsere Bibel, die ja im Wandeln auf den Spuren Gottes vieles von dem Leben vor Jahrhunderten aufbewahrt und festgehalten hat.

Denn dort wird uns z. B. erzählt von König Saul und davon, dass er häufig von großer Angst, ja von Wut und Verzweiflung überwältigt wurde. Ihm war in solchen Momenten kaum zu helfen.  

Bis ein junger Musiker kam, der in der Lage war, wunderbar Harfe zu spielen und dazu zu singen. Immer wenn es König Saul ganz schwer ums Herz wurde, hat der junge Mann für ihn gesungen und gespielt. Und dann ging es dem König besser. Der junge Mann, der dem König die heilende Kraft der Musik brachte, hieß David. Leider können wir heute seine Melodien nicht mehr hören, aber einige Texte seiner Lieder sind uns erhalten, im Buch der Psalmen.

Umso schöner ist es, dass Ihr alle, die ihr immer wieder für uns und mit uns singt und musiziert, uns das Geschenk der heilenden Kraft der Musik in Text und Melodie macht.

Wir mögen heute - das gebe Gott - nicht so verzweifelt sein, wie es damals König Saul war, aber auch uns tut Eure Musik sehr gut.

Wir danken Euch dafür, dass Ihr uns heute die Erfahrung schenkt, die König Saul schon vor vielen hundert Jahren machen durfte – dass Musik unsere Seelen heilen kann.

So helft Ihr uns mit Euren Melodien, dass Gott in uns spürbar wird. Denn ich glaube fest daran, dass die Musik einer der Wege ist, auf denen Gott immer wieder neu zu uns kommt.

Darum singt bitte weiter! Macht weiter zusammen Musik!  Behaltet die Freude an eurem Zusammensein! Vergesst auch nicht „die Erhöhung der geselligen Freuden“, wie es so wunderbar in der ersten Satzung formuliert wurde.

Und ich sage Euch zu, dass Euer Singen und Musizieren gesegnet sein wird von unserem Gott. Genauso wie das Musizieren und Singen unseres Kirchenchores. Genauso wie alles Singen und Musizieren, das zur Freude der Menschen und zur Ehre Gottes erklingt.

Denn die Musik ist eine Erscheinungsform der Liebe Gottes, von der es heißt: Wer in ihr bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm und in ihr.

So wird Gott immer in unserer Mitte sein, wenn wir miteinander singen – so wie heute. Darum denkt daran: Auf einem der Plätze neben euch, sei es in der Chorprobe, oder an einem Tag wie heute – da sitzt Gott.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch und mit uns allen. Amen.

Auf dem einen sieht man Pfarrer Hilmar Gronau und den neuen Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Friedberg, Hr. Kai Hüsemann, auf dem zweiten Bild unseren evangelischen Kirchenchor bei seinem Auftritt während des Gottesdienstes.

 

 

Predigt am Sonntag Estomihi, 27. Februar 2022

Gnade sei mit euch und Frieden, von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn und Heiland Jesus Christus.

Unser Herr und Heiland Jesus Christus spricht:  

Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.

Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.

Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet? Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern und Schwestern, das habt ihr mir getan.

Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir…! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht.

Dann werden sie ihm antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig und durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.    Matthäus 25,31 – 46

Ihr Lieben,

Generationen von tief gläubigen Christinnen und Christen haben die Sätze aus dem Mund unseres Heilands mit einer gewissen Besorgnis gehört. Sie haben an die Momente gedacht, in denen sie selbst eine hilfesuchende Hand übersehen, eine Notlage verkannt, Schmerz und Trauer übersehen haben. Und sie haben Sorge gehabt, wie Gott das auffassen wird - am Ende der Zeit. Und all die Generationen von Christinnen und Christen, die so empfunden haben, ehrt das sehr. Denn sie haben durch diese Gedanken das wichtigste aller Grundgefühle gegenüber unserem Gott gezeigt: echte Demut.

Darum möchte ich all unseren Schwestern und Brüdern im Glauben, die so demütig und selbstkritisch über sich selbst und die eigene Beziehung zu Gott nachdenken, von dieser Kanzel her zurufen: Ihr müsst euch wirklich keine Sorgen machen vor dem Ende aller Zeit, vor eurer Begegnung mit dem wahrhaft gerechten Gott. Denn dann wird unser Heiland liebevoll an eurer Seite stehen und wird sagen: Hab keine Angst, ich bin bei dir. Was du im Leben vielleicht falsch gemacht hast, ich mache es wieder gut. Ich habe das alles für dich geregelt. Geh ein in den Himmel meines Vaters. Alles wird gut! Denn Gottes Vergebung und der Beistand unseres Erlösers ist größer als all unser Versagen.

Also, ihr Lieben, ihr müsst euch beim Hören dieser Worte Jesu Christi nun wirklich keine Sorgen machen.

Aber es gibt Menschen auf dieser Welt, die im Angesicht dieser Worte wirklich anfangen müssten zitternd in sich zu gehen. Es sind die brutalen Mächtigen dieser Welt, die Unterdrücker, die die Welt mit Krieg und Gewalt überziehen, denen Menschenleben und Schicksale nichts bedeuten, die über Leichen gehen, denen es nur um die eigene Macht geht. Denn ich bin mir sicher: Unser Heiland hat genau diese Mächtigen mit seinen Worten in den Blick genommen. Denn Jesus Christus hat selbst unter der Brutalität der Mächtigen bitter gelitten. Er hat eine grausame, rücksichtslose Besatzungsmacht erlebt. Er weiß um die Tränen, um das Klagen und den Schmerz der von solchen Mächten Geknechteten.

Ich behaupte, der Sohn Gottes hat diese große Gerichtsverheißung formuliert, um die Ohnmächtigen dieser Welt vor der Willkür brutaler Machthaber zu beschützen. Christus hat hiermit ein für allemal und für alle Zeiten klar gemacht: Unser Gott, der Herr der Welt, der ewige und gerechte, ist immer auf der Seite der Ohnmächtigen, der Unterdrückten, der Opfer von Gewalt und Willkür. Er ist immer auf der Seite und an der Seite der Geringsten seiner Schwestern und Brüder.

Darum glaube ich, dass sich im Moment beim Hören dieser bedeutenden Verheißung einer wirklich sorgen machen sollte: Wladimir Putin.

Und wenn er mir oder irgendeinem Prediger auch niemals zuhören würde in seiner Verblendung, in seiner auf einer tiefen Ich-Schwäche gründenden Machtsucht, will ich ihn hier und heute trotzdem - zu diesem Fenster hinaus - ansprechen. Und wir müssen uns klarmachen, wenn ich das in Russland täte, wäre ich morgen tot oder im Gefängnis. Das nötigt mir allergrößten Respekt ab für alle, die in Russland ihre Stimme gegen den Wahnsinn des Krieges erheben.

Aber gerade deshalb möchte ich im Namen des dreieinigen Gottes hier und heute Wladimir Putin zurufen:

Wladimir, du hast in der Vergangenheit die Nähe der russisch-orthodoxen Kirche in deinem Land gesucht. Du hast dich Seite an Seite mit ihren Würdenträgern gezeigt. Du hast Kirchen in deinem Land prunkvoll ausstatten lassen. Aber du hast das nicht aus Gottesfurcht getan. Du hast das getan, um dich im Glanz dieser Kirchen selber zu sonnen. Du hast die Schmeicheleien der Mächtigen deiner Staatskirche genossen. Vielleicht hast du sogar im Gegenzug von solchen, von dir hoffierten kirchlichen Würdenträgern, deren Segen erhalten. Ich sage bewusst: Du hast deren Segen erhalten. Denn dir, Wladimir, fehlt jede Demut vor dem, der in Wahrheit der Herr aller Kirchen und Spender allen Segens ist. Denn wenn du ausnahmsweise einmal ehrlich wärst, würdest du zugeben müssen: Du selbst denkst, du bist Gott. Du glaubst nicht und siehst nicht, dass da einer ist, größer als du, unendlich größer.

Ich vermute, wenn du, Wladimir, jetzt von den Friedensgebeten in aller Welt hörst, wenn du die weinenden Menschen in den Kirchen in Kiew und anderen Orten siehst, dann wirst du vielleicht sogar darüber lachen. Mit diesen so seltsam leicht hämisch hochgezogenen Mundwinkeln, die dir zu eigen sind. Doch vergiss nicht: Wenn du über uns und unseren Glauben lachst, wenn du unseren Schmerz und unser Leid verachtest, wenn du die Menschen, die Männer, Frauen und Kinder in der Ukraine bedrohst und tötest, dann vergehst du dich an dem, der der große Bruder all dieser Ohnmächtigen ist. Denn vergiss nicht, Wladimir, dass dieser eine, der größer ist als alles hier, gesagt hat: Was du einem dieser geringsten meiner Brüder, einer der geringsten meiner Schwestern angetan hast, das hast du mir angetan.

Wahrscheinlich würdest du, Wladimir, dir jetzt denken: Was kann mir dieser unsichtbare Gott schon tun? Ich bin doch selbst der Größte. Es gibt niemand, der mir das Wasser reichen kann, mir, vor dem doch all buckeln, alle sich ducken, dem niemand ungestraft widerspricht.

Doch, Wladimir, da gibt es eine Sache, die du vergisst: Du wirst eines Tages sterben! Denn du bist nur, wie wir alle, ein sterblicher Mensch. Im Hier und jetzt kannst du deine Schwestern und Brüder quälen, unterdrücken, verfolgen, ins Gefängnis werfen lassen und töten.

Aber du kannst nicht Gott töten, denn Gott lebt! Unser Heiland lebt!

Und es wird der Tag kommen, da wirst du vor Gott stehen – und dann wird Gott zu dir sagen: Du hast mich verfolgt, du hast mich gequält, du hast mich verhöhnt, du hast mich angegriffen, du hast mir Leid und Schmerz zugefügt.

Und dann wirst du, Wladimir, zitternd vor großer Angst sagen: Wann habe ich dich verfolgt? Wann habe ich dich gequält? Wann habe ich dich verhöhnt und verlacht? Wann habe ich dir Leid und Schmerz zugefügt?

Und dann wird Gott dir tief in die Seele hineinschauen, und was er sagen wird, wird dir durch Mark und Bein gehen! Denn Gott wird sagen: Was du einem meiner geringsten Brüder, einer meiner geringsten Schwestern, einem meiner wehrlosesten Kinder angetan hast, das hast du mir angetan!

Und dann, Wladimir - glaub mir - dann wirst du begreifen! Deine Seele wird zu Tode erschrecken. Denn du wirst dann wissen, wer der Herr der Welt ist: Der eine, der ewige Gott.

Ich maße mir nicht an, zu wissen, was Gott am Ende der Tage genau zu dir, Wladimir, sagen wird. Doch ich gebe dir zu bedenken, dass unser Heiland gesagt hat, es könnte sich so anhören: Geh weg von mir!

Dann wirst du hilfesuchend nach unserem Heiland Ausschau halten. Aber er wird bei denen stehen, die im Hier und Jetzt deine Opfer wurden, Wladimir. Denn unser Heiland steht immer an der Seite und auf der Seite der Schwachen, der Hilflosen, der Geknechteten, der Ohnmächtigen.

Doch was immer dann unser Gott zu dir sagen wird, Wladimir – du solltest schon hier und jetzt bedenken: Es wird ein Urteil für die Ewigkeit sein.

Und die Ewigkeit ist sehr, sehr lang…

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn, unserem Bruder und Heiland. Amen.

 

Predigt am Erntedankfest 2021

Gnade sei mit euch und Frieden, von Gott, unserem Schöpfer und Jesus Christus, unserem Bruder und Heiland.

Herr, segne Du unser Reden und Hören. Amen.

Ihr Lieben.

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und er schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht. Gen 1,27 – 28

Diese Worte aus dem ersten Schöpfungsbericht der Bibel sind inzwischen sehr „ins Gerede gekommen“. Besonders die Aufforderung: „Macht euch die Erde untertan und herrscht über alle Tiere!“, stößt gerade bei engagierten Umweltschützerinnen und Umweltschützern auf Kritik. Denn aus deren Sicht ist genau das im Moment das Problem unserer guten alten Erde: Dass wir Menschen unseren blauen Planeten immer mehr nach unseren Vorstellungen verändern, dass wir ihn ausbeuten und dadurch die Grundlagen unseres Lebens gefährden.

Ich kann diese Kritik gut verstehen. Auch mich irritiert die biblische Aufforderung, dass wir uns die Welt sozusagen „unter den Nagel reißen sollen“. Ich habe mir sogar extra den hebräischen Urtext angeschaut, in der Hoffnung, dass alles ganz anders gemeint sein könnte. Aber leider muss ich sagen: Martin Luther hat das schon richtig übersetzt. Dieser Schöpfungsbericht ist tatsächlich der Auffassung, dass der Mensch sozusagen durch Gott zum obersten Chef seiner Schöpfung eingesetzt wurde. Und ich sage noch einmal: Das hat mich lange irritiert und verunsichert.

Doch dann habe ich mir eben diesen Gedanken noch einmal genauer durch den Kopf gehen lassen: Der Mensch als Chef von Gottes Schöpfung.

Um in diesem Bild zu bleiben, könnte man sich also unsere Erde als ein Unternehmen vorstellen, das von Gott gegründet wurde und ihm gehört. Er ist in diesem Sinn der Eigentümer des Unternehmens Erde. Und der Mensch ist sein oberster leitender Angestellter, der Top-Manager der Erde. Eine solche Position in einem Wirtschaftsunternehmen innezuhaben, heißt tatsächlich, dass ein solcher oberster Chef, oder eine oberste Chefin, die größte Machtposition im Unternehmen innehat. Der oberste Chef, die oberste Chefin sagt, wo es lang geht im Unternehmen. Die Untergebenen müssen deren Anweisungen folgen.

Nun wissen wir aus der irdischen Wirtschaftswelt, dass leitende Angestellte eine solche Machtposition mitunter missbrauchen, dass sie ihrer Verantwortung nicht gerecht werden und in die eigene Tasche wirtschaften. Wenn so etwas dem eigentlichen Besitzer einer großen Firma bekannt wird, dann wird das Konsequenzen haben. Ein menschlicher Eigentümer würde eine solche inkompetente Leitung wohl nicht lange dulden.

Denn die eigentliche Aufgabe von leitenden Angestellten ist es doch, und das ganz im Sinn des Eigentümers, das Unternehmen voranzubringen, also das Wohl des Unternehmens zu fördern, dafür zu sorgen, dass es dem Unternehmen gut geht. Das ist der eigentliche Sinn und Zweck einer guten Unternehmensleitung. Denn wenn es dem Unternehmen als Ganzem gut geht, dann geht es auch allen im Unternehmen gut, nicht zuletzt dem Eigentümer des Ganzen.

Und so denke ich mir heute, dass sich Gott den Menschen wohl als einen solchen guten Chef der Schöpfung vorgestellt hat. Als einen Chef, dem das Wohl des Ganzen am Herzen liegt und der alles dafür tut, um dieses Wohl zu fördern.

Doch im Moment sieht es eher so aus, als wären wir Menschen nicht so ganz erfolgreiche leitende Angestellte im Unternehmen Erde. Denn wir haben Entscheidungen getroffen, die das ganze Unternehmen eher gefährden als voranbringen. So hat es zurzeit den Anschein.

Darum wäre es wohl sehr wichtig, dass wir uns immer wieder klar machen, wem das Unternehmen Erde gehört, in dem wir die Chefs sind. Dass wir uns klar machen, dass wir eine Verantwortung vor diesem Eigentümer haben. Dass er uns sein Unternehmen anvertraut hat, damit wir es fördern, bewahren und erhalten sollen.

Wie das aussehen kann, hat der ehemalige Frankfurter Propst Dieter Trautwein wunderbar in dem Lied formuliert, das Ursula und Silke eben für uns gesungen haben. Denn da haben wir gehört:

„Wir rufen mit Dank ins Gedächtnis, dass Gott uns die Ernte bestimmt. Wir danken Dir, Gott, für das Gute, für Freude und Fülle der Frucht, für Vorrat in Schränken und Lagern, für das, was der Einkauf uns bringt.“

Aber dann erzählt das Lied auch davon, welche Folgen es hat, wenn der Chef Mensch im Unternehmen Erde als Leitung versagt. Denn in dem Lied heißt es:

„Doch auch von der Not und vom Hunger, von Ohnmacht klagt Dir unser Lied, von Gaben gebraucht zur Vernichtung, von Land, das verbrannt liegt und brach… dass Frucht auf den Feldern verfault, dass Obstgärten achtlos verkommen.“

Genauso wird aber auch gesagt, wie es aussehen könnte, wenn das menschliche Management gelingt:

„Die Erde, die Völker sind eins! Es gibt keinen Dank ohne Geben, kein Wort ohne wirksame Tat. Drum hilf uns, Du Eigentümer der Erde, dass wir, was wir haben, auch teilen, und sorgen mit Dir für die Welt.“

So endet dieses Lied mit einem sehr erhebenden Gedanken: Dass es uns mit Gottes Hilfe gelingen wird, gute Chefinnen und Chefs des Unternehmens Erde zu werden. Dass uns der Eigentümer dieses Unternehmens mit dieser großen Aufgabe nicht allein lassen wird.

Denn eigentlich hat Gott doch wohl gewusst, wem er sein Unternehmen Erde anvertraut. Er hat an uns geglaubt und auf uns gesetzt. So wird es uns am Ende hoffentlich doch noch gelingen, das Unternehmen Erde für dessen Eigentümer zu fördern, zu bewahren und zu erhalten. Gott jedenfalls traut uns das zu. Gott sei Dank.  

Die Gnade unsres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gotte und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

 

„Mit Slip und Schal“ – Dorheimer Kirchenvorstand erscheint bestens gekleidet zum Konfirmationsgottesdienst :O)

Humor ist sehr wichtig im Leben, und wir glauben, dass das auch unser Herrgott so empfindet und sich freut, wenn wir Grund zum Lachen haben. Deswegen wollen wir Ihnen auch die kleine Anekdote nicht vorenthalten, die sich im Vorfeld zum Konfirmationsgottesdienst am 13. Juni ereignet hat.

Der Morgen begann für unsere Kirchenvorsteherinnen und Vorsteher mit einer kleinen Chatnachricht in der WhatsApp-Gruppe des KV, denn wir gehen natürlich auch mit der Zeit und nutzen die neuen Medien. Gefragt wurde noch einmal nach dem genauen Treffen vor dem Gottesdienst, was schließlich auch die Frage nach der „Kleiderordnung“ noch einmal zur Sprache brachte. Und hier sorgte dann eine Antwort für herzliche Lacher. Sicherlich der Autokorrektur geschuldet, entstand so die Chat-Info, dass man doch mit „Slip und Schal“ erscheinen möge. Gemeint waren natürlich die „Schlipse“, also Krawatten, die das Gremium für die männlichen Mitglieder angeschafft hatte, die Damen haben dazu farblich passende Schals. Den höchst amüsanten Verdreher aufgreifend wurde also zurückgefragt, ob das denn ausreichend wäre, oder ob es nicht besser wäre, wenn man dann doch noch etwas obendrüber anziehen würde. Schließlich könnte es dem einen oder anderen Gemeindemitglied vielleicht doch etwas befremdlich vorkommen, wenn der Kirchenvorstand beim Einzug in die Kirche nur mit „Slip und Schal“ auflaufe, und auch für die Ansprache an die Konfirmierten wäre dieser „leichte Look“ vielleicht doch etwas zu wenig….  Es gab also bei allen Beteiligten herzliche Lacher. Erwähnt sei zum Ende noch, dass sich nach der Idee, vielleicht vorher mal eine Anprobe zu machen und dann zu entscheiden, wohl doch alle KV-Mitglieder auf einen eher konventionellen Look geeinigt hatten und ordnungsgemäß bekleidet im Gottesdienst erschienen. Hallelujah!

 

Predigt am Pfingstsonntag 2021

Gnade sei mit Euch und Frieden,von Gott,unserem Vater,und dem Herrn Jesus Christus.Amen.

“Was treibt Sie an?“ Das wurde er in einem Interview zu seinem 75. Geburtstag gefragt.

Dieses menschliche Gesamtkunstwerk und unverwechselbare Unikum, diese einzigartige Type namens Udo Lindenberg.

Seine Antwort war:
“Mein Glaube daran, dass ich nicht allein bin,sondern stark wie zwei. Die Kraft aus einem fernen Land, das hinter den Sternen liegt. Die Energie, die dann durch die Wolken knallt und schließlich bei mir ankommt. All das hilft mir,durch meine Krisen zu kommen.“

Als ich das in der Zeitung gelesen habe, wusste ich: Diese Gedanken will ich uns heute in diesen Gottesdienst mitbringen.

Denn unser Udo, der in Gronau in Westfalen geboren wurde, ist auf der einen Seite ein großartiger Musiker.

Er hat früher als Schlagzeuger in „Klaus Doldingers Passport“ mitgespielt , einem der besten deutschen Jazz-Ensembles. Bei der früheren Titelmusik der Tatort Krimis war Udo am Schlagzeug zu hören. Er ist aber auch ein begabter Maler.

Und nicht zuletzt ist Udo Lindenberg ein echter Poet. Ich habe ihn immer besonders wegen seiner Texte geliebt. Sie kommen so schnodderig und alltäglich daher.

Aber es sind Worte von enormer Tiefe. Egal ob er davon singt, dass es „hinter dem Horizont weiter geht“, oder davon, dass er seine erste große Liebe nach Jahren im Arm eines Anderen wieder trifft und zwar in der „Schnöseldorfer Plastikallee“, und im Nachhinein voller Schrecken und Selbst-Erkenntnis daran denkt: „Und wegen dir hätte ich mich damals fast umgebracht...“

Es lohnt sich also bei Udos Texten genau hinzuhören. Und seine Worte aus dem Interview zu seinem 75. Geburtstag sind für mich tatsächlich schon eine wunderbare Pfingstpredigt. Denn an Pfingsten geht es ja um den geheimnisvollen Heiligen Geist. Und in Gesprächen über dieses Thema wird immer wieder die Frage gestellt: Was ist eigentlich genau gemeint?

Und das kein Theologe besser beschreiben als unser schnodderiger Udo, wenn er sagt: „Das ist die Kraft aus einem fernen Land, das hinter den Sternen liegt, die Energie, die durch die Wolken knallt und bei mir ankommt.“ Besser kann man nicht ausdrücken, was in der Bibel mit dem Heiligen Geist gemeint ist.

Udo gibt uns also eine gute Definition eines sehr bedeutenden Glaubensinhaltes.

Aber Udo bleibt bei dieser Definition nicht stehen. Er wird ja in seiner Antwort auch sehr persönlich. Denn die Frage an ihn war ja: Was treibt Sie an? Doch Udos Antwort geht eigentlich mehr in die andere Richtung. So als habe die Frage gelautet: Was gibt Ihnen Kraft im Leben?

So kommt von ihm als Antwort im Grund ein eigenes Glaubensbekenntnis, wenn er sagt: „Mein Glaube daran, dass ich nicht allein bin, sondern stark wie zwei.“

Ich höre Udo hier auf seine Art von Gott sprechen. Und schließlich kommt dieser bedeutungsvolle Satz: „All das hilft mir, durch meine Krisen zu kommen....!

Und war es nicht genau das, was unser Heiland seinen Freundinnen und Freunden zu gesagt hat: Ihr werdet nie allein sein. Denn es gibt da einen Tröster, der immer bei Euch sein wird.

Er wird Euch Frieden schenken. Darum habt keine Angst und geht Euren Weg weiter. Denn Gottes Kraft ist in Euch lebendig. Und diese Kraft wird Euch helfen durch die Krisen Eures Lebens zu kommen.

Und Krisen gibt es ja im Leben von jeder und jedem von uns durchzustehen. Auch sehr schwere Krisen mitunter. Krisen, die uns an die Grenzen unserer Kraft bringen, in denen wir nicht mehr wissen, was oben und unten ist; in denen wir die Hand ausstrecken nach irgendeinem Halt; in denen wir vielleicht sogar unsicher werden in unserem Glauben und Gottesvertrauen. Wie fühlt es sich in solchen Lebenslagen an, jenen Tröster zu spüren, den Jesus Christus verheißen hat?

Und da möchte ich wieder einen wirklichen Prominenten zitieren.

Allerdings einen, der vor 1700 Jahren gelebt hat. Es ist Aurelius Augustinus, der zu den sogenannten Kirchenvätern gezählt wird.

In seinem epochalen Werk“ Bekenntnisse“, beschreibt er, wie es sich für ihn anfühlt Gott zu lieben, also zu glauben.

Er findet Worte voller Poesie, wenn er sagt: „ Wenn ich meinen Gott liebe,... liebe ich ein gewisses Licht, eine gewisse Stimme, einen gewissen Duft, eine gewisse Speise, eine gewisse Umarmung,... die Umarmung meines inneren Menschen.“ Welch ein wunderbares Bild: Glaube als die Umarmung meines inneren Menschen durch Gott.

Und da bin ich noch einmal bei den Krisen unseres Lebens. Nach der Erfahrung von Augustinus darf sich unser innerer Mensch selbst dann von Gott umarmt fühlen, wenn unser äußerer Mensch voller Angst ist, voller Sorgen und voller Zweifel. Denn die Nähe Gottes zu unserem inneren Menschen geht uns nie verloren.

Selbst dann nicht wenn der Tod kommt. Denn es bleibt uns auch dann sein Licht, seine Stimme, sein Duft, seine himmlische Speise.

Denn es gibt eben diese Kraft aus einem fernen Land, das hinter den Sternen liegt. Die Energie, die dann durch die Wolken knallt und bei uns ankommt.

Sie kann uns helfen zu leben. Denn der Heiland sagt: Ich lebe und Ihr sollt auch leben.

Und der Friede Gottes der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Hezern und Sinne in Jesus Christus, unserem Bruder und Heiland. Amen.

 

Gedanken zum Ostersonntag 2021

Ihr Lieben,

sie schillern in allen Farben des Regenbogens. Ihre zarten Flügel scheinen durchsichtig zu sein. Wie schwerelos schweben sie über Teiche und Seen. Und sie waren so lange von einem großen Geheimnis  umgeben.

Ich spreche von Libellen. Ich liebe es, diesen Tieren an einem schönen Sonnentag über einem stillen See zuzuschauen. Aber was war das Geheimnis, das sie so lange umgeben hat?  Nun – es war die Frage, wie diese zauberhaften Tiere eigentlich geboren werden. Heute wissen wir: sie werden unter Wasser geboren.

Anfangs sehen sie aus wie unscheinbare braune Fische mit Beinen. Wir Menschen haben sehr lange nicht gewusst, dass diese Unterwassertiere und die schwebenden schillernden Flugkünstlerinnen ein und dasselbe Tier sind. Denn Libellenlarven können nicht fliegen und erwachsene Libellen können nicht tauchen. Und um diese Besonderheit dreht sich eine alte Geschichte:

Da wird erzählt von einer Libellenlarve, die in ihrem Teich aus einem unerklärlichen Grund den Drang nach oben in sich verspürt.

Und es geht um einen alten bedächtigen Karpfen. Die Libellenlarve erzählt dem Karpfen von ihrer Sehnsucht nach „da oben“.

Der Karpfen sagt dazu:  „Habe ´ ich etwa Sehnsucht nach etwas anderem als diesem Wasser das mein Lebensraum ist? “ „ Ach“, erwiderte die Libellenlarve, „ ich habe nun mal Sehnsucht nach da droben.

Ich habe sogar schon einmal versucht, an der Wasseroberfläche nach dem zu schauen, was darüber ist. Da sah ich einen hellen Schein, und merkwürdige leuchtende Gestalten schienen über mich hinweg zu huschen. Aber meine Augen sind nicht geeignet, mehr zu erkennen.“ Der alte Karpfen lache selbstzufrieden in sich hinein und sagte:  „ o die fantasievolle Seele, du meinst, über diesem Teich könnte es noch etwas geben…Lass doch diese Träumereien! Glaub meiner langen Erfahrung. Dieser Teich ist die Welt – und die Welt ist ein Teich. Und außerhalb davon ist Nichts !“. „Aber ich habe doch so etwas wie Lichtwesen gesehen…!“, sagte die Libellenlarve etwas traurig.  „Hirngespinnste!“, weist sie der alte Karpfen zurecht.

„Es gibt nur, was ich mit meinem Mund und meinen Flossen betasten kann, nur das ist meine Wirklichkeit!“

Tage vergehen, Wochen und Monate. Da schiebt sich die Libellenlarve an einem Schilfhalm aus dem Wasser. Es wachsen ihr Flügel, goldenes Sonnenlicht und blauer Himmelsschein umspielen sie und sie schwebt schimmernd über den Teich davon.

 

Ich liebe diese Geschichte. Denn sie atmet Hoffnung, Zuversicht und Leben. So strahlt diese kleine Fabel dieselbe Botschaft aus wie das höchste Fest der  Christenheit – das Osterfest. Denn Ostern erzählt uns vom Triumph der Hoffnung über Ängste, vom Triumph der Zuversicht über unsere Niedergeschlagenheit, vom Triumph des Lebens über den Tod. Und so, wie es kaum zu begreifen ist, dass ein kleiner flugunfähiger Unterwasserkäfer dasselbe Tier sein kann, wie die leichthin in der Luft dahinschwebende, leuchtende Libelle, sowenig ist es zu begreifen, dass der Tod unseren Heiland Jesus Christus nicht festhalten konnte.

Die Entwicklung der Libelle schenkt mir das Zutrauen, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wirklich kaum zu begreifen oder zu fassen sind. Die aber dennoch möglich sind.

Ich brauche die Fabel von der Libellenlarve und die Botschaft des Osterfestes in diesen Tagen mehr denn je. Denn wir gehen in diesen Corona Tagen ja alle ein wenig mit diesem  „ Karpfen-Gefühl“ durch unser Leben.  Dem Gefühl :  Es lohnt sich nicht zu träumen, die Wirklichkeit ist mit ihren ständigen schlechten Nachrichten zu niederschmetternd.

Doch Ostern tritt an gegen die Schatten in unserem Leben, gegen alles was uns niederdrückt und die Zuversicht nimmt. Denn an Ostern sagt unser Heiland zu uns : Ich lebe und Ihr sollt auch leben!

(Joh 14,19)

Darum ihr Lieben, lasst uns leben- Lasst uns an die Libellenlarve denken, die zwar ahnt, und es doch nicht fassen kann, dass da draußen –oder da oben – noch etwas ist. Dass da Licht ist uns Wärme, Leichtigkeit und viel leuchtende Farben. Und doch wird sie schließlich Teil dieses Leuchtens. So wird auch in unser aller Leben wieder vieles zum Leuchten kommen. Darum habt Geduld und geht weiter – und hört nicht auf zu täumen!

Denkt an die Libelle.

Ich wünsche euch allen von ganzem Herzen ein frohes und gesegnetes Osterfest.

Euer Pfarrer Hilmar Gronau

 

 

Ansichtssache: "Ist eine Wespe schön?"

"Ist eine Wespe schön? Falsche Frage!" werden jetzt einige denken und daran erinnern, dass Wespen vor allem lästig sind. Andere werden darauf hinweisen, dass Wespen für manche Menschen sogar gefährlich sind, wenn sie auf Wespengift allergisch sind. Andererseits ist für Nichtallergiker ein Wespenstich zwar zunächst schmerzhaft, aber das vergeht auch schnell wieder.

"Falsche Frage!", werden aber auch vielleicht engagierte Naturschützer sagen, und darauf hinweisen, dass Wespen sehr nützlich sind. Denn als Jagdinsekten vertilgen sie abgestorbenes tierisches Eiweiß und sorgen damit für die "Müllabfuhr" in der Natur.

Und doch gibt es eine Menschengruppe, die Wespen auf jeden Fall schön findet: Das sind die Fußball-Fans von Borussia Dortmund. Denn Wespen tragen die Farben ihres Lieblingvereins, schwarz-gelb. Wir sehen: Es kommt auf das Auge des Betrachters an. Mit dem entsprechenden Blick kann etwas schön sein, was für andere nur lästig oder nützlich ist. Unser Blick auf die Welt kann also wirklich etwas verändern.

Wir alle wissen, wie gut es uns tut, wenn wir spüren, dass uns jemand mit liebevollen Augen ansieht, uns etwas zutraut, große Stücke auf uns hält. Das gibt uns Lebenskraft. Diese Erfahrungen sollten uns Mut machen, mit dem gleichen liebvollen Blick auf andere Menschen zu schauen.

Jesus Christus ist uns darin ein Vorbild. Er ist immer wieder liebevoll auf Menschen zugegangen, die von vielen verachtet wurden. Dadurch hat er diese Menschen - und damit die Welt - neu zum Leuchten gebracht.

So können auch wir die Welt neu zum Leuchten bringen, wenn wir liebevoll auf andere zugehen. Und eine leuchtende Welt wäre doch schön.

Pfarrer Hilmar Gronau

 

Predigt zum 90 jährigen Bestehen Frauenhilfe Dorheim

Gnade sei mit euch und Frieden, von Gott, unserem Vater, und dem Herrn, Jesus Christus.

Herr, segne Du unser Reden und Hören. Amen.

Liebe Damen unserer Frauenhilfe, liebe Gemeinde.

Ja, es ist schon so…: Manchmal sind wir ohne Rast und Ruh, manchmal schließen wir alle Türen nach uns zu. Manchmal sind wir schon am Morgen müde. Manchmal scheint man immer nur im Kreis zu gehen. Manchmal meinen wir nach der ganzen Welt greifen zu können, wir meinen, dass der Glücksstern fällt , doch dann nehmen wir, wo wir lieber geben sollten und manchmal hasst man sogar das, was man doch eigentlich liebt.

So ist eben das Leben. Da haben die Herren Richter und Swillms schon ganz recht. Es sind die Mitglieder der Gruppe „Karat“, die das Lied von den sieben Brücken geschrieben haben. Peter Maffay wurde auf das Lied der damaligen DDR-Pop-Gruppe aufmerksam und hat es dann in seine Version hier zu einem Hit gemacht.

Und unsere Frauenhilfe darf sich wirklich etwas einbilden: Denn meines Wissens ist es das erste Mal, dass unser Kirchenchor in einem Gottesdienst einen Hit aus dem Bereich Rock und Pop vorträgt. Man sieht, wie flexibel unser Chor inzwischen ist - und was ihm unsere Frauenhilfe wert ist.

Wir finden nämlich, dass das Lied von den sieben Brücken heute sehr gut passt. Denn das ganz normale Auf und Ab, das in dem Text beschrieben wird, und was auch im Refrain von den sieben Brücken aufleuchtet, ist nun einmal Teil unseres Lebens. Das gilt für das Leben jeder und jedes Einzelnen von uns – und das gilt auch für das Leben einer Gemeinschaft, eines Vereins, einer Kirchengemeinde.

Vor allem, wenn etwas lange besteht, etwa 90 Jahre lang - wie unsere Frauenhilfe -, gibt es viel zu erzählen von manchem Auf und Ab. Wir werden gleich noch etwas aus berufenem Mund zur Geschichte unserer Frauenhilfe hören. Doch so viel sei schon hier gesagt: Sie wurde in einer Zeit gegründet, in der viele weiß Gott Anlass hatten, schon am Morgen müde zu sein – denn es war eine Zeit, in der es einem Großteil der Menschen in unserem Dorf  gar nicht so gut ging. Doch gerade solch schwierigen Verhältnisse bringen ja mitunter die Menschen verstärkt dazu, sich zusammen zu tun, und die Herausforderungen des Lebens gemeinsam zu bestehen.

Und sich gegenseitig zu stützen, war von Anfang an ein Anliegen unseres Frauenkreises. Es war also das Bauen von Brücken zwischen den Menschen den Frauen immer Herzenssache. Und da wurden inzwischen weit mehr als nur sieben Brücken gebaut. Da wurde viel miteinander gelacht – und nicht selten auch miteinander geweint. Da wurde gepflanzt und geerntet. Da war Zeit zum miteinander reden - und Zeit zum miteinander schweigen. Da war Zeit, auf Gottes Wort zu hören, seinem leisen Wehen nachzuspüren. Und da war auch Zeit zu essen und zu trinken, sich gütlich zu tun und fröhlich zu sein. Der Verfasser des Buches Prediger, aus dem wir eben Abschnitte gehört haben, hätte seinen Freude an unseren  Frauen.

Denn das macht doch echte und gelingende Gemeinschaft aus: Das wir kommen können, wie wir sind. Dass wir mitbringen dürfen und teilen, was uns belastet. Dass wir uns Angenommen fühlen ohne Wenn und Aber. Dass es dort Menschen gibt, die uns genau solche Sicherheit vermitteln und solche Zuwendung schenken.

In unserer Frauenhilfe hat es solche Menschen immer gegeben, und es gibt sie immer noch – nur deswegen können wir heute dieses außergewöhnliche Jubiläum überhaupt begehen.

Unsere Frauen verkündigen uns mit ihrer Ausdauer etwas sehr wichtiges: Kontinuität ist möglich – trotz aller Wetterwechsel unseres Lebens.

Und die Frauen unserer Frauenhilfe möchten uns allen heute etwas mit auf den Weg geben. Wir haben in der Vorbereitung auf diesen Tag intensiv darüber gesprochen. Sie möchten uns allen mitgeben, worauf es letztlich im Leben ankommt. Was dies ist, das unserem Leben Grund und Halt gibt. Wie das aussehen kann, unseren Heiland Jesus Christus und seine Botschaft in der Tiefe ernst zu nehmen und mit in den Alltag zu nehmen.

Darum möchte ich uns allen im Auftrag und im Sinn unserer Frauen ans Herz legen:

Nehmt einander an die Hand. Wege werden, wenn wir gehen, wenn ich stolpre, bleibst du stehen. Nehmt einander an die Hand.

Nehmt einander in den Arm. Wärme wächst, wenn wir berühren, wenn ich friere, wirst du’s spüren. Nehmt einander in den Arm.

Nehmt einander fest beim Wort. Glaube trägt, wenn wir ihn  bauen, wenn ich zweifle, wirst du trauen. Nehmt einander fest beim Wort.

Nehmt einander in den Blick. Dunkel weicht, wenn wir uns ahnen. Nehmt einander in den Blick.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn und Heiland. Amen.

Das, was uns die Frauen ans Herz legen wollen, wird nun der Chor unserem Herzen zusingen.

Predigt vom Totensonntag 2016

Gnade sei mit euch und Frieden, von Gott, unserem Vater, und dem Herrn, Jesus Christus.

Lesung: Joh 16,16 – 18.20 – 22.33

Herr, segne Du unser Reden und Hören. Amen.

Liebe Gemeinde.

„Grottenbahn“… so bezeichnet man in Österreich das, was wir „Geisterbahn“ nennen. Die berühmteste Grottenbahn Österreichs findet sich im Prater, dem berühmten Wiener Vergnügungspark. Den Prater gibt es schon sehr lange und die Grottenbahn darin gibt es auch schon seit vielen, vielen Jahren.

Für Generationen von Kindern war eine Fahrt in dieser schaurig-schönen Grottenbahn ein unvergesslich spannendes, aber auch  unheimliches Erlebnis.

Ein solches Kind war auch vor Jahren der Sänger und Fernsehstar Rainhard Fendrich, geboren 1955. Er wurde in Österreich und auch bei uns sehr bekannt durch Hits wie „Schickeria“, „Macho, Macho“ und „I am from Austria“. Hier bei uns kennen ihn auch viele als Moderator der Sendung „Herzblatt“.

Und eben dieser Rainhard Fendrich hat bei einem Konzert erzählt:

Immer, wenn es Zeugnisse gab, ist sein Opa mit ihm in den Prater gegangen. Das war sehr lieb von dem Opa, denn, wie Rainhard Fendrich erzählt, war manches dieser Zeugnisse nicht ganz so gut ausgefallen. Der Sänger sagt von sich, dass er als Kind nicht so „der klassische Gewinnertyp“ gewesen sei. Aber egal, der Opa ging mit ihm in den Prater.

Und dort war der kleine Rainhard natürlich auch sehr beindruckt von der berühmten Grottenbahn. Es war die Faszination des Schreckens. Denn was er da sah, machte ihm furchtbare Angst. Aber sein Opa meinte, ein echter Junge müsse mit der Grottenbahn gefahren sein – und zwar alleine. Also wurde Klein-Rainhard ohne Begleitung in einen Wagen der Bahn gesetzt – und los ging es. „Da habe ich mir als Kind vor Angst buchstäblich in die Hosen gemacht“, gibt der Sänger freimütig zu.

Und dann kam das Schrecklichste der ganzen Fahrt: Die Begegnung mit dem „leibhaftigen Tod“. Also eigentlich war dieser Tod – das weiß man jetzt als Erwachsener – ein verkleideter Mensch in einem schwarzen Gewand mit aufgemaltem oder auch aufgenähtem weißen Skelett. Aber für den kleinen Rainhard war das eine Horror-Gestalt allererster Güte.

Und dann, während der Fahrt, geschah es: Mit einem Schlag fiel der Strom in der betagten Grottenbahn aus. Alles war stockfinster. Ein Moment der Panik für das Kind. „Auf einmal legte sich eine Hand auf meine Schulter“, erzählt der Sänger heute. „Ich dachte, jetzt sterbe ich!“ Doch da ergreift jemand seine Hand und bringt ihn dann sicher nach draußen, ins Helle, ins Freie, in Sicherheit. Und dieser Jemand, der da geholfen hat, das  war „der Tod“ – also der, vor dem das Kind eben noch so viel Angst gehabt hatte. Der Junge wurde also „an der Hand des Todes“ sicher auf den verschlungenen Wegen, die „der Tod“ gut kannte, aus der Dunkelheit ins Tageslicht geleitet.

Rainhard Fendrich hat diese Episode aus einem besonderen Grund erzählt. Und da geht es um etwas sehr Bewegendes. Denn seine Frau und er mussten ertragen, dass im Jahr 1989 ihre kleine Tochter im Alter von 17 Monaten an einer Virusinfektion gestorben ist. „Ich habe damals den Tod als den großen Feind des Glücks und als den großen Leidbringer erlebt“, sagt der Künstler im Rückblick. Selbst er als tiefgläubiger Katholik sei da von Zweifeln, ja von Verzweiflung gepackt worden.

Doch dann sei ihm eben sein eigenes Kindheitserlebnis in der Grottenbahn eingefallen. Und er habe Kraft und Trost gefunden in dem Gedanken: Es kann doch sein, dass auch im wahren Leben der Tod womöglich gar nicht so erschreckend ist, wie er auf den ersten Blick erscheint. Vielleicht verbirgt sich auch hinter dem „echten Tod“ letztlich einfach ein guter Begleiter. Einer der da ist, wenn alles dunkel wird. Der uns seine helfende und stärkende Hand reicht. Der uns an dieser Hand letztlich ins Freie und Helle einer anderen Welt geleitet.

Eine solche Sicht auf die „helle Seite“ des Todes passt sehr gut zu den bedeutendsten Verheißungen des christlichen Glaubens im Blick auf unsere Endlichkeit. Vielleicht haben wir die Worte unseres Heilands noch im Ohr, die ich eben vorgelesen habe: „Ihr habt nun Traurigkeit, aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“

Auch Jesus Christus geht es darum, unsere Wahrnehmung vom letzten aller Wege zu verändern. Dieser letzte Weg ist keine Sackgasse ins Dunkel. Er ist eine Brücke in eine andere, neue und lichte Welt. Gott ist auf der hiesigen Seite dieser Brücke  - genauso wie auf der jenseitigen.

So lasst es uns also genießen, solange wir auf unserer jetzigen Seite sind: Lasst uns leben, lachen und lieben – von ganzem Herzen und von ganzer Seele.

Und wenn es einst so weit ist, und wir uns auf die letzte Brücke begeben: Dann lasst uns ohne Angst hinübergehen. Lasst uns die Hand ergreifen, die sich uns dann entgegenstreckt. Denn es wird eine Hand da sein. Eine Hand, die wir kennen, die uns Sicherheit gibt. An dieser Hand können wir getrost den letzten aller Wege gehen. Im Glauben wissen wir: Es ist ein Weg ins Licht, ins Freie, in die Erlösung. Denn Christus spricht:

„In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserm Herrn und Heiland: Amen.