Predigt zum 90 jährigen Bestehen Frauenhilfe Dorheim

Gnade sei mit euch und Frieden, von Gott, unserem Vater, und dem Herrn, Jesus Christus.

Herr, segne Du unser Reden und Hören. Amen.

Liebe Damen unserer Frauenhilfe, liebe Gemeinde.

Ja, es ist schon so…: Manchmal sind wir ohne Rast und Ruh, manchmal schließen wir alle Türen nach uns zu. Manchmal sind wir schon am Morgen müde. Manchmal scheint man immer nur im Kreis zu gehen. Manchmal meinen wir nach der ganzen Welt greifen zu können, wir meinen, dass der Glücksstern fällt , doch dann nehmen wir, wo wir lieber geben sollten und manchmal hasst man sogar das, was man doch eigentlich liebt.

So ist eben das Leben. Da haben die Herren Richter und Swillms schon ganz recht. Es sind die Mitglieder der Gruppe „Karat“, die das Lied von den sieben Brücken geschrieben haben. Peter Maffay wurde auf das Lied der damaligen DDR-Pop-Gruppe aufmerksam und hat es dann in seine Version hier zu einem Hit gemacht.

Und unsere Frauenhilfe darf sich wirklich etwas einbilden: Denn meines Wissens ist es das erste Mal, dass unser Kirchenchor in einem Gottesdienst einen Hit aus dem Bereich Rock und Pop vorträgt. Man sieht, wie flexibel unser Chor inzwischen ist - und was ihm unsere Frauenhilfe wert ist.

Wir finden nämlich, dass das Lied von den sieben Brücken heute sehr gut passt. Denn das ganz normale Auf und Ab, das in dem Text beschrieben wird, und was auch im Refrain von den sieben Brücken aufleuchtet, ist nun einmal Teil unseres Lebens. Das gilt für das Leben jeder und jedes Einzelnen von uns – und das gilt auch für das Leben einer Gemeinschaft, eines Vereins, einer Kirchengemeinde.

Vor allem, wenn etwas lange besteht, etwa 90 Jahre lang - wie unsere Frauenhilfe -, gibt es viel zu erzählen von manchem Auf und Ab. Wir werden gleich noch etwas aus berufenem Mund zur Geschichte unserer Frauenhilfe hören. Doch so viel sei schon hier gesagt: Sie wurde in einer Zeit gegründet, in der viele weiß Gott Anlass hatten, schon am Morgen müde zu sein – denn es war eine Zeit, in der es einem Großteil der Menschen in unserem Dorf  gar nicht so gut ging. Doch gerade solch schwierigen Verhältnisse bringen ja mitunter die Menschen verstärkt dazu, sich zusammen zu tun, und die Herausforderungen des Lebens gemeinsam zu bestehen.

Und sich gegenseitig zu stützen, war von Anfang an ein Anliegen unseres Frauenkreises. Es war also das Bauen von Brücken zwischen den Menschen den Frauen immer Herzenssache. Und da wurden inzwischen weit mehr als nur sieben Brücken gebaut. Da wurde viel miteinander gelacht – und nicht selten auch miteinander geweint. Da wurde gepflanzt und geerntet. Da war Zeit zum miteinander reden - und Zeit zum miteinander schweigen. Da war Zeit, auf Gottes Wort zu hören, seinem leisen Wehen nachzuspüren. Und da war auch Zeit zu essen und zu trinken, sich gütlich zu tun und fröhlich zu sein. Der Verfasser des Buches Prediger, aus dem wir eben Abschnitte gehört haben, hätte seinen Freude an unseren  Frauen.

Denn das macht doch echte und gelingende Gemeinschaft aus: Das wir kommen können, wie wir sind. Dass wir mitbringen dürfen und teilen, was uns belastet. Dass wir uns Angenommen fühlen ohne Wenn und Aber. Dass es dort Menschen gibt, die uns genau solche Sicherheit vermitteln und solche Zuwendung schenken.

In unserer Frauenhilfe hat es solche Menschen immer gegeben, und es gibt sie immer noch – nur deswegen können wir heute dieses außergewöhnliche Jubiläum überhaupt begehen.

Unsere Frauen verkündigen uns mit ihrer Ausdauer etwas sehr wichtiges: Kontinuität ist möglich – trotz aller Wetterwechsel unseres Lebens.

Und die Frauen unserer Frauenhilfe möchten uns allen heute etwas mit auf den Weg geben. Wir haben in der Vorbereitung auf diesen Tag intensiv darüber gesprochen. Sie möchten uns allen mitgeben, worauf es letztlich im Leben ankommt. Was dies ist, das unserem Leben Grund und Halt gibt. Wie das aussehen kann, unseren Heiland Jesus Christus und seine Botschaft in der Tiefe ernst zu nehmen und mit in den Alltag zu nehmen.

Darum möchte ich uns allen im Auftrag und im Sinn unserer Frauen ans Herz legen:

Nehmt einander an die Hand. Wege werden, wenn wir gehen, wenn ich stolpre, bleibst du stehen. Nehmt einander an die Hand.

Nehmt einander in den Arm. Wärme wächst, wenn wir berühren, wenn ich friere, wirst du’s spüren. Nehmt einander in den Arm.

Nehmt einander fest beim Wort. Glaube trägt, wenn wir ihn  bauen, wenn ich zweifle, wirst du trauen. Nehmt einander fest beim Wort.

Nehmt einander in den Blick. Dunkel weicht, wenn wir uns ahnen. Nehmt einander in den Blick.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn und Heiland. Amen.

Das, was uns die Frauen ans Herz legen wollen, wird nun der Chor unserem Herzen zusingen.

Predigt vom Totensonntag 2016

Gnade sei mit euch und Frieden, von Gott, unserem Vater, und dem Herrn, Jesus Christus.

Lesung: Joh 16,16 – 18.20 – 22.33

Herr, segne Du unser Reden und Hören. Amen.

Liebe Gemeinde.

„Grottenbahn“… so bezeichnet man in Österreich das, was wir „Geisterbahn“ nennen. Die berühmteste Grottenbahn Österreichs findet sich im Prater, dem berühmten Wiener Vergnügungspark. Den Prater gibt es schon sehr lange und die Grottenbahn darin gibt es auch schon seit vielen, vielen Jahren.

Für Generationen von Kindern war eine Fahrt in dieser schaurig-schönen Grottenbahn ein unvergesslich spannendes, aber auch  unheimliches Erlebnis.

Ein solches Kind war auch vor Jahren der Sänger und Fernsehstar Rainhard Fendrich, geboren 1955. Er wurde in Österreich und auch bei uns sehr bekannt durch Hits wie „Schickeria“, „Macho, Macho“ und „I am from Austria“. Hier bei uns kennen ihn auch viele als Moderator der Sendung „Herzblatt“.

Und eben dieser Rainhard Fendrich hat bei einem Konzert erzählt:

Immer, wenn es Zeugnisse gab, ist sein Opa mit ihm in den Prater gegangen. Das war sehr lieb von dem Opa, denn, wie Rainhard Fendrich erzählt, war manches dieser Zeugnisse nicht ganz so gut ausgefallen. Der Sänger sagt von sich, dass er als Kind nicht so „der klassische Gewinnertyp“ gewesen sei. Aber egal, der Opa ging mit ihm in den Prater.

Und dort war der kleine Rainhard natürlich auch sehr beindruckt von der berühmten Grottenbahn. Es war die Faszination des Schreckens. Denn was er da sah, machte ihm furchtbare Angst. Aber sein Opa meinte, ein echter Junge müsse mit der Grottenbahn gefahren sein – und zwar alleine. Also wurde Klein-Rainhard ohne Begleitung in einen Wagen der Bahn gesetzt – und los ging es. „Da habe ich mir als Kind vor Angst buchstäblich in die Hosen gemacht“, gibt der Sänger freimütig zu.

Und dann kam das Schrecklichste der ganzen Fahrt: Die Begegnung mit dem „leibhaftigen Tod“. Also eigentlich war dieser Tod – das weiß man jetzt als Erwachsener – ein verkleideter Mensch in einem schwarzen Gewand mit aufgemaltem oder auch aufgenähtem weißen Skelett. Aber für den kleinen Rainhard war das eine Horror-Gestalt allererster Güte.

Und dann, während der Fahrt, geschah es: Mit einem Schlag fiel der Strom in der betagten Grottenbahn aus. Alles war stockfinster. Ein Moment der Panik für das Kind. „Auf einmal legte sich eine Hand auf meine Schulter“, erzählt der Sänger heute. „Ich dachte, jetzt sterbe ich!“ Doch da ergreift jemand seine Hand und bringt ihn dann sicher nach draußen, ins Helle, ins Freie, in Sicherheit. Und dieser Jemand, der da geholfen hat, das  war „der Tod“ – also der, vor dem das Kind eben noch so viel Angst gehabt hatte. Der Junge wurde also „an der Hand des Todes“ sicher auf den verschlungenen Wegen, die „der Tod“ gut kannte, aus der Dunkelheit ins Tageslicht geleitet.

Rainhard Fendrich hat diese Episode aus einem besonderen Grund erzählt. Und da geht es um etwas sehr Bewegendes. Denn seine Frau und er mussten ertragen, dass im Jahr 1989 ihre kleine Tochter im Alter von 17 Monaten an einer Virusinfektion gestorben ist. „Ich habe damals den Tod als den großen Feind des Glücks und als den großen Leidbringer erlebt“, sagt der Künstler im Rückblick. Selbst er als tiefgläubiger Katholik sei da von Zweifeln, ja von Verzweiflung gepackt worden.

Doch dann sei ihm eben sein eigenes Kindheitserlebnis in der Grottenbahn eingefallen. Und er habe Kraft und Trost gefunden in dem Gedanken: Es kann doch sein, dass auch im wahren Leben der Tod womöglich gar nicht so erschreckend ist, wie er auf den ersten Blick erscheint. Vielleicht verbirgt sich auch hinter dem „echten Tod“ letztlich einfach ein guter Begleiter. Einer der da ist, wenn alles dunkel wird. Der uns seine helfende und stärkende Hand reicht. Der uns an dieser Hand letztlich ins Freie und Helle einer anderen Welt geleitet.

Eine solche Sicht auf die „helle Seite“ des Todes passt sehr gut zu den bedeutendsten Verheißungen des christlichen Glaubens im Blick auf unsere Endlichkeit. Vielleicht haben wir die Worte unseres Heilands noch im Ohr, die ich eben vorgelesen habe: „Ihr habt nun Traurigkeit, aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“

Auch Jesus Christus geht es darum, unsere Wahrnehmung vom letzten aller Wege zu verändern. Dieser letzte Weg ist keine Sackgasse ins Dunkel. Er ist eine Brücke in eine andere, neue und lichte Welt. Gott ist auf der hiesigen Seite dieser Brücke  - genauso wie auf der jenseitigen.

So lasst es uns also genießen, solange wir auf unserer jetzigen Seite sind: Lasst uns leben, lachen und lieben – von ganzem Herzen und von ganzer Seele.

Und wenn es einst so weit ist, und wir uns auf die letzte Brücke begeben: Dann lasst uns ohne Angst hinübergehen. Lasst uns die Hand ergreifen, die sich uns dann entgegenstreckt. Denn es wird eine Hand da sein. Eine Hand, die wir kennen, die uns Sicherheit gibt. An dieser Hand können wir getrost den letzten aller Wege gehen. Im Glauben wissen wir: Es ist ein Weg ins Licht, ins Freie, in die Erlösung. Denn Christus spricht:

„In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserm Herrn und Heiland: Amen.